Botulinus-Toxin
Ein neues therapeutisches Konzept bei Dystonien und therapierefraktrer Spastik

 

Die Wirkung von Botulinus-Toxin nach lokaler Injektion wurde erstmals 1980 bei der Erkrankung des essentiellen Blepharospasmus beschrieben. Seit ca. 10 Jahren hat sich der Einsatz des Botulinus- Toxins in Praxis und Klinik zunehmend durchgesetzt und stellt eine attraktive, komplikationsarme Behandlungsalternative dar.

Botulinus-Toxin hemmt an der neuromuskulren Endplatte die Freisetzung von Acetylcholin. Es wirkt dabei als Endopeptidase und zerstrt die Membranen der acetylcholintragenden Vesikel. Die Wirkung setzt nach drei bis sieben Tagen ein und erreicht nach ca. zehn tagen den maximalen Effekt. Die Blockade ist irreverrsibel. Jedoch setzen bereits nach 14 Tagen regenerative Prozesse ein, die die klinische Wirkung des Toxins auf ca. drei Monate begrenzen. Obwohl ein antidromer Transport von BT A in den motorischen Axonen bis zum Vorderhorn bekannt ist, sind bislang noch keine nennenswerten zentralen Neben- wirkungen beschrieben worden.

Nach wiederholter Anwendung sind Wirkungsverluste oder die Entwicklung einer antigenen Potenz uerst selten (statistisch unter 1 Prozent) beschrieben worden. Die Nebenwirkungen begrenzen sich daher auf Fehlinjektionen bzw. berdosierungen. Systemische Nebenwirkungen wurden bislang nicht beschrieben. Auf dem Markt sind z. Zt. zwei Prparate (ein schwcheres A und ein strkeres B). Die dabei angegebenen Einheiten sind nicht vergleichbar. Bezglich der Wirkungsstrke besteht nach eigener Erfahrung der Faktor 2,5 bis 3 zugunsten des strkeren-Prparates. Hauptindikationsgebiet ist der essentielle Blepharospasmus. Die Einspritzung des Toxins erfolgt am oberen Unterlid medial und lateral. Je nach Schwere und Ausprgungsgrad werden von dem Autor 30 bis 60 Einheiten von dem strkeren Prparat B bzw. 75 bis 150 Einheiten von dem schwcheren Prparat A verwendet.

Ausgeprgtere Spasmusformen wie z. B. der Spasmus hemifacialis oder das Meige-Syndrom bentigen bisweilen auch hhere Dosierungen. Dabei ist erfahrungsgem zunchst mit einer niedrigen Dosis zu beginnen. Nachinjektionen sind mglich. Zweithufigstes Anwendungsgebiet ist der Torticollis spasmodicus sowie verwandte Formen der zervikalen Dystonien. Vor der Injektion sollte in jedem Fall eine genaue neurologische und auch elektromyographische Abklrung erfolgen, um die quantitative Verteilung des Muskelzuges zu bestimmen. In der Regel werden der Musculus sternocleidomastoideus sowie kontralateral  der Musculus splenius capitis, der Musculus levator scapulae sowie die tiefen Nackenmuskeln behandelt. Die Dosierungen sind hier sehr unterschiedlich dem Schweregrad des Krankheitsbildes entsprechend. Der Autor setzt in der Regel 150 bis 300 Einheiten des strkeren Prparates B  bzw. 400 bis 600 Einheiten von dem schwcheren Prparat A verteilt auf die genannten Muskeln gem ihrer Beteiligung ein.

Seltenere Indikationen sind der Schreibkrampf sowie Dystonien des Fues. Insbesondere die Behandlung des Schreibkrampfes ist kompliziert, da hier die Befundlage sehr unterschiedlich ist und eine in der Regel recht komplexe Interaktion zwischen kleinen Handmuskeln sowie langen Fingerbeugern sowie den Beugern des Handgelenks mit unterschiedlichen Deviationen gesehen werden. Insgesamt ist hier bezglich der Dosis sehr zurckhaltend und vorsichtig vorzugehen. Aus eigener Erfahrung wurden 200 i.E. von dem Prparat A selten berschritten, wobei auch hier eine Verteilung auf mehrere Muskeln in der Regel erforderlich ist.

Zunehmend bedeutsam werden jedoch Botulinus-Toxin-Behandlungen bei schmerzhafter Hemi- oder Paraspastik, bei Zustand nach Apoplex oder nach Querschnittslhmung. Nach eigenen Erfahrungen sind am hufigsten die Beinmuskulatur sowie die Adduktoren der Oberschenkel therapiebedrftig.  Im Gegensatz zum Schreibkrampf sind hier recht hohe Dosierungen erforderlich. Insbesondere bei einer schweren  Paraspastik  knnen Dosierungen von 2.000 i.E. von dem Prparat A erreicht und berschritten werden. Die Erfolge sich eindrucksvoll , zumal zentrale Nebenwirkungen nicht auftreten knnen. Auch wenn nicht immer die Gehfhigkeit wieder hergestellt werden kann, so sind doch heftigste Schmerzen und Fehlstellungen einfach und nebenwirkungsfrei zu behandeln. Insbesondere bei der Spastik sollte die Indikation sehr eng gestellt werden, da die Behandlung durch die Erfolderlichkeit sehr hoher Konzentrationen kostspielig ist.

Nachstehend finden Sie weitere Informationen:

Bundesverband Torticollis e.V. Der BVTS ist ein Selbsthilfeverband und hilft bei Torticollis spasmodicus und informiert hier ber die Krankheit, Behandlungsmethoden und Veranstaltungen.

Selbsthilfegruppe Torticollis spasmodicus In der Selbsthilfegruppe soll ber den Erfolg von Behandlungsmethoden, Schwierigkeiten der Alltagsbewltigung, geeignetes Entspannungs- und Strebewltigungstraining und weitere Wunschthemen gesprochen werden.

Torticollis spasmodicus Informationen zu dieser Halsmuskelerkrankung.

http://members.aol.com/BVTorti/Torticollis.html

 

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