Kinder mit hyperkinetischem Syndrom eine der grten pdagogischen Herausforderungen fr Lehrer/innen

 

Bericht einer Lehrerin:

,,Max besucht den 2. Jahrgang der Grundschule. In Mathematik zeigt Max gute Leistungen, whrend er insbesondere im Lesen und Rechtschreiben weit unter dem Klassendurchschnitt zurckbleibt. Sein Arbeitstempo ist zu langsam. Max ist ein uerst impulsiver und lebhafter Schler, dem es sehr schwerfllt, den mndlichen uerungen der anderen Schler aufmerksam zuzuhren. Umweltreize und Gerusche lenken Max sofort ab, unwichtige Einzelheiten kann er schlecht aussortieren. Max mu stndig auf sich aufmerksam machen, indem er unaufgefordert dazwischenredet, mit seinem Stuhl kippelt, auf den Tisch schlgt, Schreibutensilien, Lineale und Papiere als Spielzeuge benutzt und stndig mit beiden Hnden und Mund in Bewegung ist. Erklrungen berhrt Max. Er zeigt wenig Ausdauer. Max' Verhaltensaufflligkeiten kommen immer hufiger vor und stren den Unterricht erheblich. Nach Gesprchen mit den Eltern hat sich Max' Fehlverhalten nicht verbessert."

 

 

Max' Problemverhalten, wie es sich in dem Erziehungsbericht der Lehrerin darstellt, ist typisch fr ca.3 bis 5 % aller Kinder, vornehmlich Jungen. Hyperkinetische Verhaltensaufflligkeiten, oft verbunden mit oppositionellen Strungen, bieten sehr hufigen Anla fr die Vorstellung eines Kindes beim Arzt, Psychologen, in der Erziehungsberatungsstelle oder beim schulpsychologischen Dienst.

Die Kernsymptome der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivittsstrung" sind Aufmerksamkeitsstrung, Impulsivitt und Hyperaktivitt.

Aufmerksamkeitsstrungen

zeigen sich vor allen Dingen bei Ttigkeiten, die geistige Anstrengung erfordern und auch strker fremdbestimmt sind, insbesondere in der Schul- und Hausaufgabensituation. Die selektive Aufmerksamkeit ist eingeschrnkt, d. h. es fllt den betroffenen Kindern schwer, die Aufmerksamkeit auf aufgabenrelevante Reize zu lenken und irrelevante Reize zu ignorieren. Ein hohes Ausma an Ablenkbarkeit ist die Folge. Die Daueraufmerksamkeit ist eingeschrnkt. Aufgaben werden vorzeitig abgebrochen, Ttigkeiten hufig gewechselt, Flchtigkeitsfehler entstehen, die Aufgaben werden hufig nachlssig erledigt und das Schriftbild ist oft unschn und wirkt ungelenk.

Hyperaktivitt

meint eine desorganisierte, mangelhaft regulierte und berschieende motorische Aktivitt, verbunden mit exzessiver Ruhelosigkeit. Das Schulkind steht im Unterricht auf, luft herum, spielt mit Gegenstnden und spricht viel.

Impulsivitt

zeigt sich als Ungeduld und als Schwierigkeit, Bedrfnisse aufzuschieben oder als pltzliches Handeln, ohne zu berlegen. Im emotionalen Bereich bedeutet dies eine erniedrigte Frustrationstoleranz und schnelle Wutanflle. Im kognitiven Bereich finden sich bei Aufgabenbearbeitungen viele "Lsungen auf den ersten Blick" und eine hohe "Versuch- und Irrtumsrate".

Die Symptomatik zeigt sich am deutlichsten in Situationen, die ein hohes Ma ein Eigenkontrolle erfordern oder die den Reiz des neuen verloren haben, z. B. dem Lehrer im Unterricht zuzuhren, Hausaufgaben zu machen oder bei der Durchfhrung von sich wiederholenden Aufgaben. Befindet sich das Kind in einer neuen Umgebung oder wird sein Verhalten hufig belohnt oder kann es sich seiner Lieblingsaktivitt widmen, reduziert sich die Symptomatik deutlich.

Neben den Kernsymptomen treten hufig zustzliche Aufflligkeiten auf. Viele hyperkinetische Kinder haben soziale Probleme im Kontakt mit anderen Kindern. Sie zeigen hufig Dominanzstreben, aggressive Tendenzen und Strverhalten in der Gruppensituation.

Hyperkinetische Kinder zeigen in einem hohen Ausma Schulleistungsprobleme. Sie wiederholen hufiger eine Klasse, erreichen einen niedrigeren Schulabschlu, befinden sich hufiger in ,,Sonderschulen" und zeigen geringere Leistungen, insbesondere im Bereich des Lesens und der Rechtschreibung. Die Aufmerksamkeitsstrungen drften die Lernleistungen der Kinder beeintrchtigen, mit zunehmendem Alter spielen jedoch dann auch die Sekundrstrungen im Sinne eines deutlich verminderten Selbstwertgefhls nach vielen Mierfolgserfahrungen und geringerer Leistungsmotivation eine groe Rolle. Auch emotionale Aufflligkeiten wie z.B. mangelndes Selbstvertrauen, ngste und depressives Erleben finden sich hufiger bei hyperkinetischen Strungen.

Hyperkinetische Strungen zeigen in den verschiedenen Entwicklungsphasen einen oft typischen Verlauf. Mit Eintritt in die Schule fllt die Symptomatik schlielich am deutlichsten auf. Die Kinder werden aufgrund ihrer motorischen Unruhe und ihrer Impulsivitt schnell zum Strenfried in der Klasse und damit auch zum Auenseiter.

Durch die Gleichaltrigengruppe erfahren die Kinder hufig Ablehnung und Ausgrenzung. . Zu Hause beginnt die Zeit des ,,Hausaufgabendramas".

Im Jugendalter vermindert sich die motorische Unruhe etwas. Die Aufmerksamkeitsstrungen bleiben jedoch bestehen. In ca. 40 % der Flle wird die Symptomatik durch aggressives dissoziales Verhalten begleitet. Die Jugendlichen unterliegen erheblichen Gefhlsschwankungen und einer leichten Beeinflubarkeit, was auch zu erhhten Alkohol- und Drogenmibrauch fhren kann.

Es gibt aber nicht nur die Symptome beim Kind, sondern auch typische Merkmale bei den Bezugspersonen, besonders bei den Eltern und den Lehrer/innen. Ist ein Kind mit einem hyperkinetischen Syndrom in der Klasse, zeigen Lehrer/innen meist Anzeichen von sehr groer Belastung. Diese reichen von starker krperlicher Anspannung, Kopfschmerzen und Magenschmerzen bis hin zu dem Wunsch, sich pensionieren zu lassen, weil diese Kinder nur ganz schwer auszuhalten sind. Die Bemhungen, einen guten Unterricht zu gestalten, werden durch die Strungen des Kindes immer wieder zunichte gemacht. Die Gefhle schwanken hufig zwischen Resignation und Wut. Weil die sonst erfolgreichen pdagogischen Manahmen bei diesen Kindern kaum wirken, fhlt man sich als Lehrer/in durch diese Schler oft persnlich in Frage gestellt. Ist man vielleicht ein schlechter Lehrer, eine schlechte Lehrerin? Nicht selten passiert es dann, da sich Lehrer und Eltern wechselseitig die Schuld zuweisen. Von Lehrerseite ist zu hren, da die Eltern in der Erziehung versagt haben. Die Eltern dagegen meinen, da es am Lehrer liegt, weil er inkompetent ist und nicht richtig mit dem Kind umgehen kann. Damit beginnt hufig eine negative Eskalationsspirale, welche die Belastung aller Beteiligten noch vergrert.

Was ist aber nun tatschlich die Ursache dieser Verhaltensaufflligkeiten beim Kind? In der Forschung berwiegt gegenwrtig die Meinung, da den hyperkinetischen Strungen ein multifaktorelles Geschehen zugrundeliegt. Es besteht heute kein Zweifel, da hyperkinetische Strungen letztendlich neurobiologisch bedingt sind. Psychosoziale Faktoren knnen den Verlauf der Strung wesentlich beeinflussen.

Als pathogenetisch wirksame Faktoren werden neurologische Strungen, neurochemische Faktoren, Strungen des Immunsystems und genetische Einflsse sowie psychosoziale Bedingungen diskutiert. In mehreren Studien konnte eine erhhte Rate an hyperkinetischen Strungen bei den biologischen Eltern und Geschwistern der betroffenen Kinder festgestellt werden. Insbesondere weisen Zwillingsstudien auf sehr hohe Konkordanzraten bei monozygoten Zwillingen hin. Allergische Faktoren spielen bei einem sehr geringen Teil der betroffenen Kinder eine Rolle. Neurochemische Hypothesen und entsprechende Untersuchungen weisen auf eine verminderte cerebrale Durchblutung des Frontalhirns hin. Auch finden sich Inbalancen der Neurotransmittersysteme. Neue molekulargenetische Studien weisen auf eine besondere Rolle des Dopaminstoffwechsels hin. Bestimmte Dopaminrezeptoren (D1, D4) sind im Bereich der Basalganglien vermindert.

Psychosoziale Faktoren spielen bei der Genese der hyperkinetischen Strung im Gegensatz zu aggressiven und dissozialen Strungen eine begrenzte Rolle.

In der Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeits- und hyperkinetischen Strungen zeigt ein multimodales Vorgehen den grten Erfolg. Zu den kindzentrierten Manahmen gehren die Pharmakotherapie sowie insbesondere die Verhaltenstherapie (z.B. Selbstmanagementverfahren, Selbstinstruktionstrainings, soziale Kompetenztrainings und Problemlsungstrainings).

Gerade die medikamentse Behandlung gab immer wieder Anlass fr sehr emotional gefhrte Diskussionen. Auf der Grundlage des bisherigen Forschungsstandes ist es jedoch als Kunstfehler anzusehen, wenn man als Arzt die medikamentse Behandlung bei diesem Krankheitsbild nicht in seine berlegungen bei der Therapieplanung mit einbezieht.. Klar herauszuheben ist aber auch, da Ritalin kein Wundermittel ist. Es schafft nur bessere krperliche Voraussetzungen dafr, da sowohl das soziale Verhalten als auch das Lernen beim Kind besser gelingen und erzieherische Manahmen zu mehr Erfolg fhren knnen.

Andererseits bekommen Lehrer mit, dass die Tabletten ohne Regeln eingenommen werden, sie werden vergessen oder ,,nach Bedarf" gegeben. Die Dosis variiert von Kind zu Kind erheblich. Weitere therapeutische Manahmen dagegen bleiben aus. Zu Recht ist Skepsis bei derartigen "Behandlungen" angebracht. Gerade eine solche medikamentse Behandlung sollte vom Facharzt durchgefhrt und auch regelmig kontrolliert werden. Zustzlich sind aber immer weitere therapeutische Manahmen notwendig.

 

Die Wirksamkeit der Stimulanzientherapie (hauptschlich Methylphenidat, Handels-name: Ritalin) ist von allen Therapieformen am besten belegt. Es handelt sich um zentralnervs aktivierende Medikamente. Nach neueren Studien sprechen zwischen 70 und 90 % der Kinder auf die medikamentse Behandlung positiv an. Der Anteil der Kinder, deren Verhalten im Unterricht sich weitgehend normalisiert, liegt bei 50 bis 70 %. Besonders das hyperkinetische und impulsive Verhalten im Unterricht vermindert sich deutlich.

Die Konzentrationsfhigkeit und damit auch die Genauigkeit bei schulischen Leistungen verbessert sich. Nicht selten kommt es sogar vor, da das Schriftbild und auch die gesamte Gestaltung der Eintrge schner wird.Eine alleinige Behandlung mit Ritalin scheint jedoch nicht auszureichen. In den bisher durchgefhrten Langzeituntersuchungen findet sich insgesamt eine langfristig hhere Behandlungseffektivitt bei multimodalen Interventionen, d. h. einer Kombinationsbehandlung von

Medikamenten mit verhaltenstherapeutischen Interventionen in der Familie und in der Schule.Die Hauptnebenwirkungen, die sich zu Beginn der Behandlung hufiger als im Verlauf zeigen, sind Appetitminderung und Einschlafstrungen.

 

 

Wie soll ich nun als Lehrer auf angemessene Weise auf ein Kind, das unter einem hyperkinetischen Syndrom leidet, erzieherisch einwirken? Grundlage sollte eine enge Kooperation zwischen Lehrer und Eltern sein. Wichtig ist, da das Kind erlebt, dass seine Bezugspersonen an einem Strang ziehen.

In der Schule erscheinen vorbeugende Manahmen sinnvoller als Sanktionen. Ausgangspunkt ist hufig ein Dauerkampf zwischen Kind und Lehrer. Der Lehrer wird oft von der Situation, von den Verhaltensaufflligkeiten des Kindes berrollt und kann nur noch reagieren. Ist dies der Fall, hat man als Lehrer meist verloren, weil das Kind in seiner impulsiven Art immer mehrere Schritte voraus ist. Dies fhrt zu einer Zunahme der Belastungen beim Lehrer. Er wird natrlicherweise immer gereizter und verliert damit meist immer mehr an seinen pdagogischen Einwirkmglichkeiten. Die Alternative wre, zunchst aus diesem Teufelskreis auszusteigen und nur zu beobachten und zu analysieren. Zu erinnern wre in diesem Zusammenhang an einen alten Leitsatz von Peter Petersen, der fr diese Kinder in folgender Weise umzuformulieren wre: ,,Wie mu ich die Unterrichtssituation in pdagogischer Absicht so gestalten, so vorstrukturieren, da die Wahrscheinlichkeit fr das problematische Verhalten geringer und fr das erwnschte Verhalten grer wird." Beispielsweise bentigt das HKS-Kind einen ganz bestimmten Sitzplatz im Klassenzimmer, und zwar mglichst vorne und mit einem ruhigeren Kind als Nachbarn und positivem Modell. Ungnstig ist ein hufiger Sitzplatzwechsel oder der stndige Wechsel des Nachbarn. Auch Gruppentische sind wenig geeignet fr HKS-Kinder. Fr den Lehrer ist es wichtig, darauf zu achten, mit diesem Kind mehrmals innerhalb einer Unterrichtsstunde in Kontakt zu treten (z. B. Blickkontakt, Berhrung), um es bei der Sache zu halten oder es ,,zurckzuholen".

Im Unterricht braucht ein solches Kind klare Strukturierungen, Rituale und Regeln, die vorbeugend zu planen sind. Gibt es z. B. Schwierigkeiten mit den Hausaufgaben, ist es besser, sich mit den Eltern abzusprechen, als im Nachhinein fr das Fehlen der Hausaufgaben Strafen zu erteilen. Eine Mglichkeit knnte darin bestehen, da der Lehrer das Hausaufgabenheft am Ende des Schultages abzeichnet und sich die Eltern verpflichten, fr die Erledigung der Hausaufgaben zu sorgen.

Klare Strukturierungen zu planen bedeutet auch, da man im Unterricht mglichst ,,flieende bergnge" vermeidet, sondern neue Anforderungen und Aufgabenstellungen klar absetzt. Rituale, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen, verhelfen dem Kind zu mehr Verhaltenssicherheit.

Wichtig wre auch, da die Kinder ein freundlich-zugewandtes und gleichzeitig konsequent-direktives Verhalten von Lehrerseite erleben. Freundlich-zugewandt zu bleiben ist manchmal sehr schwierig, weil man sich durch diese Kinder oft bis aufs Blut gereizt und herausgefordert fhlt. Hilfreich kann es hier sein, sich an das Krankheitsbild zu erinnern und die Verhaltensaufflligkeiten des Kindes nicht persnlich zu nehmen. Fr engagierte Lehrer ist das manchmal sogar am schwierigsten, weil sie trotz grten Einsatzes erleben, da das Kind immer noch Verhaltensaufflligkeiten zeigt bzw. einen ,,Ausraster" hat. Versprt das Kind die Enttuschung bzw. die Wut beim Lehrer, so kommt es eher zu berschieenden gefhlsmigen Reaktionen beim Kind als zum gewnschten Verhalten. Besser ist es, vorausschauend Regelungen mit dem Kind mglichst in einer Einzelsituation zu vereinbaren. In der Konfliktsituation gilt es dann nur noch, diese Regelungen in konsequent-direktiver Weise durchzufhren und sich nicht auf Diskussionen einzulassen. Reden ist hier Kupfer, Handeln - mglichst in freundlich-zugewandter Weise - dagegen Gold.

Das hyperaktive Kind ,,flippt" blitzschnell aus, es ist leicht zu krnken und attackiert dann schnell die anderen. In der Schule ist ein direktives Auseinander-sortieren der Kinder ohne sich dabei gro verbal zu uern, der bergang zur Tagesordnung und eine deutlich zeitversetzte Besprechung der strittigen Situation die beste Prophylaxe gegen Klassenkasper- und Sndenbockentwicklungen. Blostellungen sollten unterlassen werden.

Das Kind, das hufig Mierfolge im Bereich des Lernens erfahren hat, wre zu ermutigen und an bewltigbare Aufgaben und Lernschritte heranzufhren. Durch das Analysieren der Lcken, durch das Zerlegen in erreichbare Teilziele und kleine Lernportionen und durch hufiges Wiederholen soll das Kind erfahren, da es mit seinen Bemhungen auch Erfolg haben kann. Dadurch kann beim Kind Hoffnung und damit verbunden auch Lernmotivation geweckt werden. Dazu kann es in manchen Fllen notwendig sein, das Arbeitspensum und teilweise auch die methodische Vielfalt zu reduzieren. Viele unterschiedliche bungsformen verwirren das Kind eher, als da sie helfen. Zustzliches Lernen sollte auch bei der Hausaufgabe mit bercksichtigt werden. Fr Eltern und Kinder stellen hufig die Erstellung der Hausaufgaben eine stundenlange Qulerei dar. Schriftliche Strafarbeiten und teilweise auch umfangreiche Hausaufgaben bei Fachlehrern verstrken diese Qulerei noch mehr. Bei den Hausaufgaben sollte deswegen beachtet werden, inwieweit sie sich auf zentrale Lernschritte beziehen und notwendiges zustzliches ben noch mglich sein lassen.

Zum Schlu ist es wichtig, wieder den Blick fr die positiven Seiten des Kindes zurckzugewinnen. Hufig sind diese Kinder auch sehr hilfsbereit und gutmtig und zeigen groes Bemhen. Durch das Protokollieren der einzelnen Unterrichtsstunden kann man als Lehrer wahrnehmen, da die Kinder sich hufig in der berwiegenden Zeit ,,normal" verhalten haben. Ein freundlicher Blick und kurze anerkennende uerungen sind gerade fr diese Kinder in solchen Situationen wichtig, in denen sie nicht auffallen und in denen ihr normales Verhalten dann hufig bersehen wird.

Der Umgang des Lehrers in der Unterrichtssituation mit dem hyperaktiven Kind erfordert groe Kompetenz und Einfhlungsvermgen. Das Kind bentigt ein hohes Ausma an Auensteuerung. Je weniger dabei auf Negatives hingewiesen und je mehr gutes Gelingen bemerkt und verstrkt wird, desto hher wird die Wahrscheinlichkeit sein, da es anstrengungsbereit und motiviert bleibt.

Wie kann die Elternarbeit aussehen? Wichtig wre zunchst einmal, dass der Lehrer, die Lehrerin ber ausreichende Informationen ber dieses Krankheitsbild verfgt und auf dieser Grundlage dann auch Gesprche mit den Eltern fhren kann.

Grundstzlich mchten wir ermutigen, bei Beobachtung entsprechender Verhaltensprobleme die Eltern frhzeitig anzusprechen. In der Regel korrespondieren die im Unterricht gemachten Erfahrungen mit den leidvollen Erfahrungen in der Erziehungs- und Hausaufgabensituation. Sensibilitt im Umgang mit den Eltern und vor allem der Verzicht auf Schuldzuweisungen ist gefordert. Eltern knnen sich dann bei dem Verdacht des Vorliegens einer solchen Strung an einen niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater oder an eine kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz (Poliklinik der Universittsklinik) wenden. Auch gibt es spezialisierte Kinderrzte, die mit dieser Thematik vertraut sind. In der Regel erfolgt in den genannten Einrichtungen eine Kooperation mit klinischen Psychologen. Die Kosten fr Untersuchungen und Durchfhrung der Therapie werden in der Regel von der Krankenkasse bernommen. Auch die medikamentse Behandlung bezahlt die Krankenkasse wie bei anderen Erkrankungen auch. Bestehen zustzliche Beeintrchtigungen wie z. B. Teilleistungsschwchen im Bereich des Lesens, Rechtschreibens oder Rechnens, Sprach- oder Sprechstrungen, fein- oder grobmotorische Bewegungsstrungen oder auch andere Grunderkrankungen, werden hier ebenfalls zustzliche Hilfsmanahmen von dem genannten Personenkreis eingeleitet.

Dem Schulpsychologen bzw. dem Beratungslehrer kommt eine wichtige Rolle zu. Eine Verhaltensbeobachtung im Klassenzimmer und erste orientierende diagnostische Manahmen knnen sehr hilfreich fr die Erarbeitung von Hilfsmanahmen sein.

Autoren:

Dipl.-Psych. Claudia Oehler, Psycholog. Psychotherapeutin

Dr. A. Born, Dipl.-Pdagoge, DipI.-Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut

Dr. K.-U. Oehler, Facharzt fr Kinder- und Jugendpsychiatrie, Neurologie und Psychiatrie

 

Verffentlicht in: Junglehrer, Verbandszeitschrift des BLLV, Ausgabe 1 , 1999